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Restaurierung eines Gesamtkunstwerkes | Flubacher_Nyfeler_Partner
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Restaurierung eines Gesamtkunstwerkes

Dom Arlesheim

Ausgangslage

Bei der Restauration eines Bauwerks von solch bedeutender Substanz – das als Gesamtkunstwerk in sich gewertet werden kann – wohnt von Anfang an das Besondere inne.

Uns kam dabei die Ehre zu, der starke Mitwirkungswille sämtlicher Beteiligten, der zu Höchstleistungen antreibt, zu dirigieren, ihn zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und mit der richtig ausgeloteten Eingriffstiefe in die Tat umzusetzen.

Eine spannende Zeit für uns, dieses Wahrzeichen erforschen zu dürfen und das geeignete Restaurierungskonzept zusammen mit der Denkmalpflege und einem Team aus Bundesexperten, Spezialisten, Planern der Kirchgemeinde, Restauratoren und Handwerkern gemeinsam zu entwickeln und zu realisieren.

Geradezu exemplarisch zeigte sich bei der Restauration einer solch historischen Substanz, dass die Arbeit mehr ist als nur das Endprodukt – und dass das Erreichen von Qualität und letztlich das Wiedererstrahlen des Doms auf dem richtigen Zusammenspiel sämtlicher Protagonisten beruht. Denn ohne fundiertes Fachwissen, ohne ausgeprägte handwerkliche Kompetenz ist eine solche Herausforderung kaum zu bewältigen.

Unsere Vorgehensweise

Im intensiven Dialog mit der Bauherrschaft tasten wir uns an das altehrwürdige Bauwerk heran und definieren die Aufgabenstellung, die sich aus zwei Teilen zusammensetzt: einer zurückhaltenden Aussen- und einer ausführlichen Innenrestauration.

Die ganzheitliche Zustandsanalyse der Bausubstanz bildet dabei den Grundstein zur Erarbeitung einer angemessenen Gesamtlösung. Dafür wählen wir die richtigen Experten aus, um die einzelnen Bereiche im und am Gebäude in verschiedenen Teilanalysen zu erfassen.

Die Gesamtlösung definiert sich aus den Resultaten aller Teilanalysen, die mit der anfänglich formulierten Aufgabenstellung in Korrelation gebracht werden und die Basis für das Restaurierungskonzept bilden. Hinsichtlich der daraus hervorgehenden Aspekte und Kriterien überwachen wir schliesslich die Ausführung.

Prozesse im Detail

Zustandsanalyse

Die umfassende Zustandsanalyse dient als Basis für das Konzept der Innenrestaurierung. Experten erfassen, dokumentieren und werten die Statik des Dachstuhls und des Glockengeläuts sowie das Raumklima aus. Restauratoren erarbeiten mehrere Expertisen zu einzelnen relevanten Themen wie Raumschale, Deckenbilder, Holzobjekte, Sandsteinböden. Nicht Bestandteil dieser Zustandserfassung sind die bereits im Vorfeld bearbeitete Gebäudehülle, Kunstgläser, Altar- und Chorraumgestaltung, weitere gestalterische Massnahmen im Bereich des Mobiliars (Bücher- und Kartengestelle) sowie die Orgel.

Die Raumschale (Oberflächen)

Diese zeigt sich grundsätzlich in einem guten Zustand. Frühere Restaurierungen behandelten den Dom sorgfältig und zurückhaltend. Jedoch schreitet der Alterungsprozess insgesamt fort und führt zu einer zunehmenden Schadensbildung. Die Gipsstuckaturen sind in einem guten Zustand und verlangen nur nach einer Reinigung.

Die Decken

Diese gilt es mittels einer Schadenskartierung nach Hohlstellen zu untersuchen. Auf dieser Karte bezeichnen die grünen Farbverläufe die Stellen mit ausgeprägten Hohlräumen. Aus dieser Analyse resultiert, dass weniger als fünf Prozent der untersuchten Fläche davon betroffen ist. Ist dies der Fall, ist es eher zwischen Deckenputz und Grundputz als zwischen Grundputz und an die Balken genagelte Unterkonstruktion zu finden und wurden seit der 1930er Restaurierung mit Verschraubungen stabilisiert. Einzelne Schrauben könnten prophylaktisch gesetzt worden sein, denn es gibt Bereiche mit Schrauben ohne Hohlräume, aber auch solche ohne Schrauben. Die Untersuchung zeigt zusätzlich, dass einige Schrauben zu stark angezogen waren und in den Verputz eindrücken. Der Zustand der Schrauben jedoch ist einwandfrei. Im Bereich der Orgel und hinter dem Chorbogen sind vermutlich aktuelle Bewegungen im Gang. Akuter Handlungsbedarf besteht aber nicht.

Die Deckenbilder im Mittelschiff und Chor und die Wandbilder

Der Zustand der Bilder ist erstaunlich gut, homogen wirkend. Der Umgang mit ihnen war bei früheren Restaurierungen sehr  sorgfältig. Nur die Grundierung und einzelne Linien sind al fresco aufgetragen, später wurde mit der Secco-Technik gearbeitet. Vorhanden sind teilweise ausgedehnte Übermalungen unbekannter Herkunft (könnten bauzeitlich sein) und wenige, vor allem blaue, wischende Farbschichten. Weshalb hier vor der Reinigung zuerst eine Festigung notwendig ist.

Die Holzobjekte

Ihr Zustand ist gut; sie können konventionell repariert werden. Viele Konstruktionsfugen sind durch klimatisch bedingte Bewegungen und Deformationen des Holzes aufgegangen, was die Stabilität der Objekte teilweise beeinträchtigt. Der Einbau der Heizungen könnte diese Deformationen verursacht haben. Ein richtiges Heizregime würde zum Verringern weiterer Schäden beitragen.

Der Boden im Chor und in den Seitenkapellen

Dieser weist grosse Rätsel auf, da das vorgefundene Schadensbild auf Nitratgehalt in den Sandsteinplatten hinweist, welcher den Abnutzungsprozess deutlich beeinflusst haben könnte. Nitrate sind allerdings organisch und kommen im Sandstein nicht natürlich vor und sind demnach nachträglich mechanisch eingetragen worden. Dies aber schätzen die Experten als höchst unwahrscheinlich ein. Eine weitere These könnte sein, dass das Nitrat aus dem Untergrund der ehemaligen Ackerfelder, auf der die Kirche erbaut ist, mittels Kapillarwirkung in die Steine eingedrungen ist. Die definitive Ursache des Nitratgehaltes im Sandstein konnte allerdings nicht abschliessend geklärt werden.

Hinzu sind die Platten teilweise vertauscht, jedoch sind diese Verschiebungen nicht dokumentiert worden. Vorhandene Brüche in den Steinen stammen aus den letzten Jahren. Feststellbar ist eine grosse Beruhigung der Senkungen im Boden, zu der der äussere Entwässerungsgraben sehr viel beiträgt. Eine falsche Behandlung ist dabei nicht ersichtlich.

Der statisch-konstruktive Zustand / Die Schwingungen an den Glockentürmen

Im Jahr 1980 gab es einen nicht vollständig gelingenden Versuch, den Dachstuhl von den Türmen zu entkoppeln. Vorhanden sind Windlücken im Dach und Schneeverfrachtungen im Dachraum. Die Glocken verbinden sich sehr direkt, ohne Glockenstuhl oder Schwingungselementen, durch Eisenträger mit den Türmen.

Fazit Zustandsanalyse

Grundsätzlich ist dem Inneren des Doms ein recht guter Zustand zu attestieren. Unter der Oberfläche sind jedoch etliche Schäden zu erkennen, die nach Prioritäten zu gliedern und zu renovieren sind. Die dafür notwendigen Eingriffe und ihre jeweilige Eingriffstiefe können aufgrund der gründlichen Zustandserfassung präzise beschrieben, ausgelotet resp. auf klar begrenzte Partien und Massnahmen beschränkt werden. Sie beziehen sich auf folgende vorhandene und ausformulierte Schadenskategorien

– Bauteile mit substanziellen Schäden mit Gefährdung (Dachstuhl, Decke über Hauptschiff, Holzwerk innen)

– Bauteile mit substanziellen Schäden resp. Mängeln ohne Gefährdung (Glockenelemente, Raumschale Decke, Bänke und Docken)

– Optische Beeinträchtigungen oder nicht mehr adäquate Anwendungen (Elektroinstallation, Verschmutzung Raumschale, Decke und Wand)

Ausführung

Zusammengefasst beinhaltet die Innenrestaurierung die Instandstellung der Substanz (u.a. des Dachstuhls), der Innenraumschale, aber auch spezifische Arbeiten wie etwa die Optimierung des Glockenstuhls und vieles mehr.

Der Dachstuhl

Der Dachstuhl leitet wieder als intaktes Holzfachwerk – mit vielen ersetzten Balken, Fusspfetten und Bindern – die Lasten linear ins Mauerwerk. Ein dampfdiffusionsoffener Aufbau aus Cellulose und Holzfasern isoliert zwischen der Balkenlage den gesamten Dachboden.

Der Glockenstuhl

Den sanfteren Glockenschlag bewirkt eine geänderte Geometrie des Klöppels. Zudem trägt die Glockenstuhl-Entkoppelung vom Mauerwerk und Auflager, welche die Vibrationen dämpfen, dazu bei, Schwingungslasten von Decken und Mauerwerk fernzuhalten.

Der Boden

Für den Dom entsprechend grossformatige Sandsteinplatten ersetzen den schadhaften, nicht originalen Steinboden im Hauptschiff. Das freigelegte, trockene Erdreich bietet Raum für die Installationsführung der neuen Bankheizung und für die Elektroverbindungsleitungen. Die originalen Steinböden im Chorraum und den Seitenkapellen werden stabilisiert, modelliert und neu ausgefugt, um die Wertigkeit und Schönheit des Natursteinbodens wieder herzustellen.

Ein neuer Tannenriemenboden – verlegt zwischen den bestehenden Eichen-Banklagern – ersetzt den Holzboden unter den Kirchenbänken.

Die Holzobjekte

Auch die historischen Holzeinbauten, das Chorgestühl, die Sitzbankdocken im Hauptschiff und der grosse Süd-Sakristei-Schrank – all diese Bestandteile – geniessen eine komplette Reinigung, Restaurierung – und fehlendes Zierwerk wird nachgeschnitzt oder gefestigt und konserviert. Die Kirchenbänke bieten nun ergonomisch verbesserte Rückenlehnen, da die Sitzflächen leicht verlängert und die Handauflagen schmaler sind. Das Entfernen von zwei Bankreihen ergibt einen etwas grösseren Abstand zwischen den Reihen und trägt ebenfalls zum verbesserten Sitzkomfort bei.

Die Technik

Die eingebrachte Gebäudeautomation erleichtert den Sakristanen die Arbeit und erhöht die Sicherheit. Daran angeschlossen ist auch die neue Beleuchtung, die den Dom in verschiedensten Lichtstimmungen erstrahlen lässt. Dezent auf den Kapitellen montiert, treten die LED-Strahler nicht mehr in Erscheinung. An die Schnitzelheizung der Gemeinde angeschlossene Warmwasserrohrheizungen ersetzen die Elektrobankheizungen. Somit ist der Dom Installationstechnisch auf dem neusten Stand.

Die Deckenbilder

Das Glanzstück aber stellt die Restauration des Deckenbildes dar. Eine ausgetüftelte, unkonventionelle Technik war notwendig, um die abgelöste Gipsdecke wieder an die Unterkonstruktion zurückzubinden – oder genauer: Injektionen von in Alkohol gelöstem Gips, welche die Hohlstellen füllen und den Grundputz festigen. Luftpolster drücken dabei die Gipsdecke gegen die Lattung, damit beim Aushärten der Gipsinjektionen wieder eine homogene, festverbundene Gipsdecke entsteht. Das Retuschieren der unzähligen Risse und das Reinigen der Farben sorgen mit dafür, dass die perspektivische Überhöhung der Deckenbilder wieder in voller Leuchtkraft zur Geltung kommt.

Fertigstellung